Kulturtage 1997 – Der Biberpelz

„Der Biberpelz“ (1997)

 

Während „Mutter Wolffen“ ein gewildertes Reh an den Schiffer Wulkow zu verkaufen versucht, erzählt ihr ihre jüngste Tochter Adelheid, daß Herr Krüger einen Biberpelz geschenkt bekommen hat. Wulkow erwähnt daraufhin, daß er ohne weiters 60 Taler für solch einen Pelz bezahlen würde. Mit diesem Geld könnte die pfiffige Waschfrau den größten Teil ihrer Schulden bezahlen. Sie beschließt also, in dieser Nacht gemeinsam mit ihrem etwas einfältigen Mann Julian, eine Diebestour zu unternehmen; wobei sie auch das Brennholz von Herrn Krüger ins Auge faßt, von dem ihr ihre Tochter Leontine erzählte. Als Krüger am nächsten Morgen dem Amtsvorsteher von Wehrhahn die Diebstähle meldet, zeigt dieser sich eher belästigt, da ihn ausschließlich die Verfolgung vermuteter Staatsfeinde interessiert. Für einen solchen hält er Dr.Fleischer, der angeblich Kontakte mit Sozialdemokraten pflegt und der von dem notorischen Schwindler Motes denunziert wurde. Als Dr. Fleischer den Schiffer Wulkow in einem Biberpelz auf seinem Kahn sieht und vor Gericht davon berichtet, spitzt sich die Situation zu…

Der Dialekt als Mittel naturalistischer Sprachgestaltung

„Ich beherrschte den Volksdialekt, Ich würde ihn also, war mein Beschluß, in die Literatur einführen. Dabei dachte ich nicht an sogenannte Heimatkunst oder Dichtung, die den Dialekt als Kuriosum benützt und meistens von oben herab humoristisch auswertet, sondern dieser Volkston war mir die natur- und kunstgegebene, dem Hochdeutsch ebenbürtige Ausdrucksform, durch die das große Drama, die Tragödie ebenso wie durch Verse Goethes oder Schillers Gestalt gewinnen konnte. Ich wollte dem Dialekt seine Würde zurückgeben. Man mag entscheiden, ob es geschehen ist.“ Gerh. Hauptmann, Das Abenteuer meiner Jugend, 1937, Sämtliche Werke. Centenar-Ausgabe Bd. VII, S. 1079.

Bemerkung in eigener Sache: Da uns der schlesische und Berliner Dialekt relativ fremd waren, dagegen die Geschehnisse des Stückes und die vorgetragene Problematik am Main genauso zu Hause sind wie an der Spree, haben wir das Stück nach Hessen geholt und uns nach gründlichen historischen Recherchen für das hessische Städtchen Seligenstadt am Main als Ort der Handlung entschieden: Seligenstadt war um die Jahrhundertwende Sitz des Amtsgerichtsbezirks im Großherzogtum Hessen, wo in hessischem Dialekt und im „Honoratiorenhessisch“ verhandelt wurde. Zudem liegt Seligenstadt am schiffbaren Main, bis heute ist das andere Mainufer nur per Fähre zu erreichen. Armut und soziale Unterschiede gab es damals dort wie in der Nähe von Berlin. Gerade dieser Aspekt ließ uns das Stück wieder sehr aktuell erscheinen: auch heute müssen Arme und Armgewordene sehen, wie sie mit den Ihren über die Runden kommen. Damals wie heute geht es dabei nicht immer nur mit rechten Dingen zu….

 

Mitwirkende

Die Schauspieler
Frau Wolff, Waschfrau Isabella Franzkowiak
Julius Wolff, ihr Mann Achim Jungk
Adelheid Wolff, ihre Tochter Britta Wagner
Leontine Wolff, ihre Tochter Franca Dechange
Wulkow, Schiffer Markus Bunke
Herr Motes Manuel Murdocco
Frau Motes Nadine Kraft
von Werhahn, Amtsvorsteher Mark Wagner
Krüger, Rentier Ulf Lohrum
Dr. Fleischer Heiko Hartrampf
Philipp, sein Sohn Sascha Klinkerfuß
Glasenapp, Amtsdiener Christian Pomowski
Mitteldorf Bernhard Schlett
Alle, die noch nicht erwähnt wurden
Regie: Gabriela Reinitzer, Elisabeth Stoklossa
Reggiassistenz: Gabriele Kalbfleisch, Katja Wanitschek
Souffleusen: Susanne Ewald, Ute Kircher
Hessische Mundartfassung: Monika Dambier-Blank
Musik und Tanz: Vesna Bakrac, Kristin Bartel, Tina Baumann, Nicole Bickel, Predrag Petrovic, Silke Schepp, Sandra Weber, Sara Wellbrock
am Klavier: Claudia Steffan
Mitarbeit: Monika Dambier-Blank, Heike Heusel
Maske/Kostüme: Anja Kühnscherf, Anja Langlitz, Stephanie Link, Patricia Loos, Nadine Machado, Nadine Prieur, Anne Straschil, Julia Trzmiel
Mitarbeit: Martinus Boll, Karin Amend-Raab, Manuela Kutscher
Bühnenbild: Benjamin Fröhlich, Thorsten Lewerenz, Jona Ostheimer, Matthias Welsner, Roert Grobelczyk, Steffen Lippert, Thorsten Rapp, Jochen Scherer, Florian Stein, Nicolas Fink
Leitung: Manfred Brückmann
Video: Alexander Behr, Michael Fischer, Sascha Jungwirth, Thomas Krikser, Zbigniew Kuciej, Bastian Mayer, Mark Eckhardt
Mitarbeit: Markus Weber
Technik: Christian Danz, Karsten Rüth, Thorsten Scholz, Sven Steiger, Manuel Stolzmann
Leitung: Michael Köhler

 

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