Kulturtage 2010 – Kasimir und Karoline

Theaterstück “Kasimir und Karoline” (2010)

Von Ödön von Horváth

Kann Liebe in einer schnelllebigen Zeit wie der unseren noch Bestand haben? Mit dieser Frage beschäftigen sich derzeit 14 Schüler des Kurses »Darstellendes Spiel« an der Landrat-Gruber-Schule (LGS) in Dieburg. Sie befassen sich seit anderthalb Jahren mit dem Thema Schauspiel und befinden sich derzeit in der Endphase zur Aufführung des Stücks »Kasimir und Karoline« von Ödön von Horváth.

Lehrerin Simone Neuroth hat sich aus einem besonderen Grund für diesen Bühnenstoff entschieden: »Er ist von seiner Thematik für Jugendliche sehr passend und gut auch auf die heutige Zeit anwendbar.

Worum geht´s?
Das Volksstück „Kasimir und Karoline“ wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Ödön von Horváth verfasst. Kasimir und Karoline befinden sich auf dem Oktoberfest, um sich zu amüsieren. Jedoch ist Kasimir nicht danach zumute, da ihm seine Anstellung gekündigt wurde. Die Beiden streiten sich und gehen vorerst getrennte Wege. Obwohl sie im Laufe der Handlung immer wieder aufeinander treffen, schaffen sie es nicht, sich wieder zu versöhnen, aber auch nicht, sich vollständig voneinander zu lösen.

Kasimir und Karoline“ auf dem Oktoberfest

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Ödön von Horvath`s 1932 uraufgeführte Stück „Kasimir und Karoline“ erzählt das alte Lied vom gebrochenen Herzen. Nach Auskunft des Autors ist es eine Ballade von stiller Trauer, gemildert durch Humor. Im Theater der Keller wird der damalige Rummelplatz zeitnah in das Münchener Oktoberzeit gelegt, einem Schauplatz, an dem verzerrte Gestalten aufeinander treffen. Es ist eine Erzählung über menschliche Armseligkeit und über schräge Typen, die aber keinesfalls so abgedreht sind, als dass sie sich in dieser Welt nicht wieder finden könnten. Das Problem der Arbeitslosen in der Wirtschaftskrise der Dreißiger Jahre hat in die heutige Zeit versetzt eine bedrückende Aktualität. Die Seelen der Figuren sind hinter Alltagsprofanität und Lebenskitsch verborgen. Das Oktoberfest mit all seinen Attraktionen ist dabei nur das Symbol für den Kampf – und Tummelplatz der kapitalistischen Welt.

36 Jahre Ödön…

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Ödön von Horváth wurde als Sohn des österreichisch-ungarischen Diplomaten Dr. Ödön von Horváth und dessen Frau Maria Hermine von Horváth geboren. Prehnal am 9. Dezember 1901 in Sušak, einem Teil der heutigen Hafenstadt Rijeka (Kroatien) geboren.

Als die Eltern 1909 nach München zogen, blieb Horváth mit acht jahren alleine in Budapest, wo er ein erzbischöfliches Internat besuchte. 1913 folgte er ihnen und erlernte die deutsche Sprache. 1919 kam er, nach einigen weiteren Umzügen, nach Wien zu seinem Onkel und machte im Sommer sein Abitur.  Im selben Jahr begann er an der Universität München pyschologische, literatur-, theater- und kunstwissenschaftliche Seminare zu besuchen.

Horváth fing bereits mit 19 Jahren an zu schreiben. Ab 1923 lebte er überwiegend in berlin, Salzburg und bei seinen Eltern in Murnau (Oberbayern). Horváth widmete sich immer mehr der Schriftstellerei. Er wurde 1931 mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet und sein bis dahin erfolgreichstes Stück “Geschichten aus dem Wiener Wald” wurde in Berlin uraufgeführt. Damit erreichte er den Höhepunkt seiner Kaierre. Ein Jahr später folgte ein weiteres bekanntes Werk “Kasimir und Karoline”, das 1932 in Leipzig uraufgeführt wurde.

Da er in seinen Werken den Nationalsozialismus kritisierte, durften sie nach der Machübernahme Hitlers in Deutschland nicht veröffentlicht werden. Aus diesem Grund geriet Horváth in finanzielle Schwierigkeiten und litt unter Depressionen. Erst nach dem Erscheinen seiner Romans “Jugend ohne Gott” in Amsterdam, ging es für ihn finanziell wieder bergauf. Dieses Werk wurde so erfolgreich, da es die Problematik der Erziehung im Nationalsozialismus beschreibt und sollte deshalb verfilmt werden. Nachdem er am 1. Juni 1938 in Paris mit dem amerikanischen Filmproduzenten Robert Siodmak über die Verfilmung des Romans gesprochen hatte, wurde er abends während eines Gewitters von einem herabfallenden Ast erschlagen.

Gott, was sind das für Zeiten?

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Ödön von Horváth lebte von 1901 bis 1938 und somit in einer sehr schwierigen Zeit.

Der Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs ist das Zeitalter des Imperialismus und Militarismus, das vom Streben nach Erwerb von Kolonien und von einer Überbetonung militärischer Formen in allen Bereichen menschlichen Lebens geprägt war. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs 1918 hatte Deutschland noch lange unter den Folgen des Kriegs zu leiden. Deutschland wurde im Versailler Friedensvertrag die alleinige Kriegsschuld angelastet, die Bestimmungen waren generell hart und bedeuteten eine schwere Belastung für die 1918 neu gegründete Weimarer Republik: Reparationsforderungen der Siegermächte, eine hohe Inflation und Arbeitslosigkeit waren schwerwiegende Probleme dieser Zeit. Als nach dem Börsenkrach 1929 in den USA eine Weltwirtschaftskrise ausbrach, führte das auch in Deutschland zur Katastrophe. Die Zahl der Arbeitslosen stieg sprunghaft an und Sozialleistungen sowie Löhne und Gehälter wurden gesenkt. Die Not in Deutschland führte in der Bevölkerung zu Unzufriedenheit und verzweiflung, weshalb radikale Gruppen – linke wie rechte – großen Zulauf hatten. Die NSDAP gewann gewaltig an Stimmen und als 1933 Adolf Hitler Reichskanzler wurde, war das Schicksal der Weimarer Republik endgültig besiegelt.
Die Handlung des Volksstücks “Kasimir und Karoline” findet inmitten der Wirtschaftskrise statt, in der Arbeitslosigkeit und daraus resultierenden Orientierungslosigkeit in der Bevölkerung vorherrschend sind.

“Der ärmste Mensch ist der, der keine Beschäftigung hat.” 

Albert Schweitzer

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